Zwei Stolpersteine für Max und Anneliese Gattel vor der Prinzenallee 58

Max Anneliese Inge Gattel

Am Mittwoch werden in Gedenken an die Besitzer der ehemaligen Hutfabrik Max und Anneliese Gattel (geb. Hirsch), in der Prinzenallee 58  zwei „Stolpersteine“ gesetzt. Das Ehepaar wohnte im Vorderhaus, bis sie von den Nationalsozialisten am 5.9.1942 vom Güterbahnhof in Moabit nach Riga deportiert und drei Tage später im Wald von Bikernieki ermordet wurden.

Die einzige Tochter Inge (Foto links) hatte 1939 noch rechtzeitig Deutschland in Richtung England verlassen können. Die beiden Schwestern von Max und seinem Bruder Richard Gattel, Ella und Lucy, begingen im Dezember 1942 aus Furcht vor der drohenden Deportation Selbstmord.

Von den Bewohnern des Hauses Carola Köhler, Klaus Schmitz und Linda Guzetti wird eine Einladung zur Teilnahme an die Steinsetzung ausgesprochen. Sie hatten sich mit ihrem Anliegen an den Künstler Gunter Demnig gewand, der die Fertigung der Gedenksteine übernahm und sie um 14:30 Uhr vor dem Eingang des Hauses Prinzenallee 58 einsetzen wird.

In einem kurzen Redebeitrag wird an die Familie Gattel erinnert werden. Danach gibt es die Möglichkeit gleich nebenan, im Kamine und Wein zusammen zu sitzen.

 

Stefan Frigge beim putzen der Stolpersteine Prinzenallee 58

Im Vorfeld säuberte der Bewohner des Hauses Stefan Fricke die beiden schon vorhandenen „Stolpersteine“. Sie erinnern an das zweite Ehepaar des Hauses Gattel, an Ella und Richard.

„Mein Urgroßvater Oskar Grube wurde auch von den Nazis ermordet“, erklärte Stefan die besondere Nähe zu seiner unterstützenden Aktion. Dem Urgroßvater wird an seinem letzten Wohnort in Bielefeld ebenfalls mit einem „Stolperstein“ gedacht.

UrOpa Oscar GrubeOskar (Foto r.) war Mitglied in der SPD und engagierter Gewerkschafter. Nach seiner ersten Verhaftung hatte ihn Stefans Opa, der Mitglied in der NSDAP war unter der Auflage, nicht mehr weiter zu agitieren, frei bekommen. Aber Oscar Grube hielt sich nicht an die Forderung. Er wurde erneut verhaftet und verstarb 1941 im Konzentrationslager Sachsenhausen. „Wenn er heute noch leben würde“, sagt Stefan, „wäre er wohl bei den Grünen.“

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Mehr von der Familie Gattel auf Soldiner Kiez Kurier

Zwei Kerzen brannten in Gedenken an Ella und Richard Gattel vor der Prinzenallee 58

Zum Buch (PDF) von Anni Wolff (geb Gattel) „Schliesslich waren wir alle jung und lebenslustig“. Erinnerungen von Berlin nach Israel

Liste der Deportationszüge aus Berlin von 1941 bis 1945 (Bez. Chalrlottenburg-Wilmersdorf)

 

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