Piraten-Politiker Gerwald Claus-Brunner tötete Jan L. im Soldiner Kiez

Der Untergang eines Berliner Piraten

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In dem Wohnhaus in der Koloniestraße lebte und starb Jan L.

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Säckeweise Gegenstände trugen Polizisten letztens aus einer Wohnung in der Koloniestraße berichteten Anwohner. Hier soll der 28-Jährige Jan L. vom Piraten-Politiker Gerwald Claus-Brunner getötet worden sein. Die näheren Umstände der Tat erscheinen wie aus einem Horror-Thriller ausgeschnitten. Bei der Autopsie wurde festgestellt, dass er einige Tage zuvor durch stumpfe Gewalt gegen den Oberkörper getötet wurde, die Bildzeitung berichtete von einem Tod durch erwürgen. Laut Medienberichten schob der Pirat Gerwald Brunner sein Opfer nach der Tat mit einer Sackkarre kilometerweit quer durch Berlin, bis zu seiner Steglitzer Wohnung. Er verfasste einen Abschiedsbrief in dem er sich zur Tötung bekannte und soll sich dann neben seinem toten Freund mit Stromschlägen selbst getötet haben.

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Jan L., bei vielen als Wuschelkopf bekannt, in der Berliner U-Bahn

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„Meine Liebe, mein Leben, für dich lieber Wuschelkopf, für immer und ewig“, war die Überschrift Brunners letzten Tweets auf Twitter, berichtet die Parteifreundin Ute Elisabeth, die Stadträtin der Piraten in Leipzig in ihrem Nachruf. „Faxe“, so wurde er genannt, „das war dieser überlebensgroße, gewaltige, unbeirrbare seelenlose Stahlbolzen“, so hatte er sich selbst beschrieben. Ihm gegenüber seine große Liebe, der eher smarte, esoterisch interessierte Jan, der Vogelstimmen in Frohnau aufzeichnete, Blühende Bäume, Kieselsteine, Gischt und den Sonnenuntergang in Warnemünde mit einer Video-Cam aufzeichnete.

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Pirat Gerwald Claus-Brunner

Ein letztes Treffen hatte die Parteifreundin  abgesagt. Pirat Faxe wollte an dem Tag seine große Liebe bei „einem seiner Sekten-Seminare“ begleiten. Sie mochte ihm die wertvolle Zeit mit seinem Wuschelkopf nicht verkürzen. Lebend sah sie beide nie wieder.

Umso mehr erschütterte sie, „wenn nachts das Handy klingelte und ein weinender Faxe sich alle Sorgen um seinen Wuschelkopf von der Seele redete.“ Faxe, der unerschütterlicher Fels in der Piraten-Brandung wollte seine große Liebe aus den Fängen einer, so meinte er, obscuren Sekte retten. „Dass selbst ein seelenloser Stahlbolzen gegen eine Sekte machtlos ist – das hat Faxe mir nicht geglaubt.“ berichtet Ute Elisabeth in ihrem Nachruf.

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Jan L. „Wuschelkopf“

Im Juli soll es zu Spannungen zwischen den beiden gekommen sein, berichtet M.M. ein spiritueller Freund. Es habe Anzeichen von Stalking gegeben. „Auch unter Männern gilt: Nein heißt Nein“ , schreibt M.M. einer gemeinsamen Bekannten, der Kreuzberger Bezirksverordneten und Landesvorstandsfrau Jessica. Sie könne in den Beziehungsspannungen keine hinreichende Erklärung für die Tat erkennen erwiderte sie auf Twitter und beteuert die langjährige Freundschaft zwischen den beiden. Faxe habe zwar seinen nahenden Tod öffentlich gemacht, aber ihr für einen späteren Zeitpunkt angekündigt. Das hatte sie aus mehreren Schreiben von ihm herausgelesen. Er schien überzeugt gewesen zu sein, an einer gravierenden Krankheit zu sterben. Die Gerichtsmedizin wollte das in ihrem Obduktionsbericht  nicht bestätigen.

M.M. hatte Jan, als der ihm mal sein Herz über Faxe ausschüttete gesagt: „Der ist doch ganz ok“. aber Jan habe daraufhin „nur mit dem Kopf gewogen“. „Jan hat mir selbst gesagt, dass Faxe zwei Seiten hat und er mir einiges erzählen könnte.“

„Auch ich habe mehr als einmal die Augen verdreht, wenn er auf Twitter mal wieder den gesamten Planeten in die Luft sprengen wollte“, berichtet seine Parteifreundin Ute. Vor einem Jahr veröffentlichte der „seelenlose Stahlbolzen“ Brunner auf seiner Internetseite Fotos von Panzern und Kampfbombern, die er gegen protestierende „besorgte Bürger“ in Heidenau und gegen Nazis einsetzen wollte.

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„Am meisten hat mich immer Faxes Besorgnis um andere Menschen berührt,“ schreibt Ute Elisabeth. Er sei Kulturgut und Bestandsmaterial der Partei, eckig, kantig und unbequem gewesen. Zu selten seien Mitstreiter auf die Idee gekommen, „ihm den Dank und die Anerkennung zu spenden, die wir ihm über alle Maßen schulden… „In den letzten Monaten hätte Faxe begonnen seine Kandidatur und seine Zeit im Abgeordnetenhaus zu bereuen, weil er das Gefühl hatte, dort unerwünscht zu sein, nichts zu bewirken“. Zu wenig Zeit für sein Privates und das Private war seine Liebe zu Jan, dem Wuschelkopf, den er retten wollte. „Eine unerklärliche Tragödie“, schreibt Jessica und M.M. antwortet: „Er hat das sicher nicht so geplant. Jeder Mensch hat gute und schlechte Seiten. Aber die sollten nicht zu weit auseinander gehen.“

 

Fotos: Facebook, Twitter, SKK /

Veröffentlicht: 22.sept.16

Recherchestand: 21.Sept. 23.30 Uhr

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