Nacktes lockt zum Skulpturhof TOM

Skulpturhof tom Mehlhorn Foto Soldiner Kiez Kurier (21)Wer auf Bundesstraße 2 am Skulpturhof von Thomas Mehlhorn vorbeikommt, kann sich an einer nach vorne gebeugten Nackten erfreuen oder ärgern. Die hat der Handwerker und Künstler TOM mit rausgestrecktem Hintern in Fahrtrichtung postiert.„Ich hatte schon mit Beschwerden gerechnet, aber bisher kam nichts“, sein nüchterner Kommentar. Im Augenblick ist der Po züchtig mit einem Nicklas-Röckchen bedeckt. Wer drunter schauen will, muss schon mal aussteigen und wird promt vom Künstler empfangen. „Heute gab es schon viel Besuch,“ sagt er, öffnet die motorisch betriebene Eingangspforte und führt uns in seine Werkstatt.

Skulpturhof tom Mehlhorn Foto Soldiner Kiez Kurier (4)Angenehmes Licht und die Wärme eines geheizten Kaminofens empfängt uns. Vom unfertigen Kunstwerk bis zur fertigen Skulptur aus Beton, Holz oder Styropor – alle Objekte sind sorgfältig im gesamten Raum verteilt. Manche hängen von der Decke herab. „Ich bin gerade dabei im Nebenhaus eine Galerie aufzubauen, denn hier platze ich aus allen Nähten“, berichtet Tom.

„Gewaltszenen machen mich kreativ müde“

Skulpturhof tom Mehlhorn Foto Soldiner Kiez Kurier (2a)Seit über 20 Jahren handwerkelt er in ganz Berlin, aber wohnen und kreativ entfalten kann er sich besser auf seinem „Skulpturhof TOM“, in Malchow. Der kleinste Ortsteil von Berlin wurde in 1344 gegründet und gehört seit 1920 zu „Groß-Berlin“. Vor 14 Jahren wurde Malchow im Rahmen einer Gebietsreform, dem Bezirk Lichtenberg zugeschlagen. Am Rande einer brodelnden Stadt lässt es sich für Künstler mit einer attraktiven Außenwerbung und handwerklichem Geschick gut überleben. „Ich mag keine Hektik und schon gar nicht mehr TV anschauen“, sagt er. „Ständig diese Katastrophenmeldungen und Gewaltszenen machen mich kreativ müde.“

Kunst zum Schmunzeln

Stattdessen entwickelt Tom seit zehn Jahren ausgefallenes Design, setzt individuelle Wünsche für Haus Hof und Garten um und produziert auch Kunst zum Schmunzeln. „Die Tischdecke aus Holz musst du nicht mehr wechseln und brauchst sie auch nicht zu bügeln“, sagt er erheitert und zeigt auf den hölzernen Faltenwurf. Sein nackter Frauentorso ist zur Hälfte mit kupfernen Centstücken besetzt und erinnert irgendwie an Bonds Gespielin Miss Moneypenny. „Fast Maßtabsgerecht“, kommentiert er einen Riesendildo aus Holz, der sich genüsslich in die Höhe reckt.

„Stehen Sie auf Männer?“

Er berichtet von mehreren Besuchern, die vorsichtig anfragten, ob er auf Männer stehe. „Verblüfft mich jedes Mal wieder auf`s Neue“, sagt Tom und deutet auf die Vielzahl wohlgeformter Frauenkörper, die sich in seinem Werkraum rekeln. „Ja und wer es gar nicht glauben will, der kann gerne mal reinkommen und meiner Frau Hallo sagen. Sie sitzt gerade auf der Couch.“ Wir glaubten ihm auf`s Wort und entgingen damit der Gegenüberstellung, die ja fast zwangsläufig dazu geführt hätte, die Maße der ausgestellten weiblichen Skulpturen, mit dem wahrscheinlichen Original zu vergleichen.

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Thomas Mehlhorn 3jan16 von Hoff (21)

Thomas Mehlhorn (l) mit Reporter Wolfgang

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