Messer-Attacke beim Refugee Camp auf dem Oranienplatz

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Berlin 18.jun. 13 1.00Uhr – Gestern Abend wurde auf dem Gelände des Refugee Protest Camps am Oranienplatz in Kreuzberg ein Mann afrikanischer Herkunft mit einem Messer attackiert. Der Täter Oguz A. war mit seinem Vater und einem Baby im Kinderwagen auf dem Oranienplatz unterwegs. Laut Zeugenaussagen soll der vierundzwanzigjährige Mann erst rassistische Äußerungen von sich gegeben haben und dann einem 27-jährigen Flüchtling aus dem Sudan ein Messer in den Leib gerammt haben. Er verletzte ihn damit  an der Brust. Campbewohner verfolgten den Täter, der aber konnte fliehen. Ein Großaufgebot der Polizei sicherte daraufhin das Gelände. Das schwer verletzte Opfer wurde zur Versorgung in ein Krankenhaus gefahren und musste auf der Intensivstation behandelt werden. Laut Staatsanwaltschaft wird gegen den mutmaßlichen Messerstecher jetzt wegen versuchten Totschlags ermittelt. Dabei soll sich auch klären, was den Konflikt ausgelöst hat.
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Als die dazugekommene Mutter des Babys zusammen mit einer Freundin von der Polizei zur Sicherheit abgefahren werden sollte, kam es zu einem aufgeregten Durcheinander. Nach Angaben der Polizei wurde die Familie bedrängt und angegangen. Von Seiten der Unterstützer wurde erklärt, dass in der Auseinandersetzung mit der Frau und dem Vater des Messerstechers versucht wurde die Hintergründe der Tat in Erfahrung zu bringen und zu „keinem Zeitpunkt für diese die Gefahr tätlicher Übergriffe bestand“. Sie versuchten die Abfahrt des Polizeiautos zu verhindern und legten sich vor den Wagen auf die Straße. Zuvor sollen sich Auseinandersetzungen mit aufgetauchten Unterstützern der Familie abgespielt haben, die mit Beleidigungen und rassistischen Beschimpfungen einhergingen. Es flogen Gegenstände von beiden Seiten. Zwischen den Fronten standen Polizisten und hielten die Streithähne auf Distanz. Als sich die Situation beruhigt hatte, stürmte die Polizei unvermittelt auf den Platz. Es kam zu einem Gerangel mit der Polizei, der von refugeeseite als brutaler Einsatz bezeichnet wurde. Pfefferspray wurde eingesetzt, herbeigeeilte Unterstützer beider Gruppierungen und Refugees verhaftet.
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Beteiligte sprachen der Polizei die Schuld an der Eskalation zu. Bei aggressiven Tätlichkeiten der Unterstützer aus dem Täterkreis habe man nicht eingegriffen, stattdessen sei man unverhältnismäßig hart gegen die Refugees und deren Freunde vorgegangen. Die Gegenseite applaudierte der Polizei bei ihrem Einsatz. In einer Presseerklärung der Refugee- Unterstützer heißt es: Die Polizei hat erneut ihre Form der Eskalation unter Beweis gestellt: „Es gilt offenbar, die Geflüchteten und Aktivisten, die sich lautstark zur Wehr setzten, vor sich her zu treiben und die Spannung so zu verschärfen, bis die blanke Polizeigewalt als die notwendige Form der Befriedung erscheinen und legitimiert werden kann.“ Einige Beteiligte berichten, dass auch von der Polizei rassistische Beleidigungen ausgesprochen wurden. Weitere über Twitter herbeigerufene Unterstützer trafen ein, konnten aber nichts zur Beruhigung der Situation beitragen. Die Polizei verlautete: die Beamten seien mit Holzlatten bedroht, angegriffen und mit Flaschen beworfen worden. Beobachter meinten, dass Gegenstände nur zwischen den aggressiven Passanten und refugee-Unterstützern hin und her geflogen seien. Die Polizei hätte sich bei ihrer Ankunft einer aufgebrachten Menschenmenge gegenüber gesehen, deren Unmut sich gegen die anwesenden Familienangehörigen des flüchtigen Täters richtete. Während sie versuchten die Familienangehörigen zu schützten, wurden sie aus der anwachsenden Menge angeschrien und gestoßen. Verletzte auf beiden Seiten wurden von Sanitätern medizinisch versorgt. Nach zweieinhalb Stunden beruhigte sich die Situation.
passant wirft Holzkiste in richtung refugees
Foto: Von einem Mann, der laut Zeugenaussagen den grauen Wölfen zugeordnet wurde wird eine Holzkiste in Richtung Campbewohner geworfen. Beobachter berichteten, dass die Polizei nichts gegen die vermehrten Übergriffe der türkischen Nazis unternommen habe und damit nicht zur Beruhigung beigetragen hätte.
Messer-Attacke refugee camp oranienplatz - Poliezi umstellt den Platz
Foto: Die Polizei umstellt den Oranienplatz nach der Messer-Attacke

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Foto unten: Udo Lihs@udolihs (Twitter)
Der erste Bericht wurde unmittelbar nach dem Geschehen auf Grundlage von Zeugenaussagen geschrieben. Im Laufe weiterer Recherche können genauere Ablaufbilder eingebunden werden.
Letztes update: 20. Jun. 19.00h
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One Comment to “Messer-Attacke beim Refugee Camp auf dem Oranienplatz”

  1. Unter http://kanalb.org/clip.php?clipId=3022 ist ein Video mit Interviews und von der Demo am Tage nach den Übergriffen

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