Erste Pressekonferenz zur Messer-Attacke in Grafing

Pressekonferenz Messerattacke grafing

Pressekonferenz zur Messer-Attacke in Grafing 10 Mai 2016

Zum Tatverlauf

Der Täter war Tags zuvor mit dem Zug in München angekommen und nächtigte in der Nähe des Hauptbahnhofes. Dabei verbrachte er eine Zeit mit einem Ungarn, zudem es keine Vorbeziehung gegeben haben soll. Der Täter gab bei der Vernehmung an, dass er sich in München unwohl fühlte. Er holte seinen Rucksack aus dem Hotel ab, in dem er ursprünglich übernachten wollte, aber nicht genügend Geld für die Kosten aufbringen konnte. Bei der Festnahme hatte er 10 Euro dabei. Er stieg dann in die nächste S-Bahn nach Grafing. In der Vernehmung habe es vom Täter diffuse Angaben über das eigentlich geplante Fahrtziel gegeben. Es sei das Wort Österreich gefallen.

„Mehr oder weniger planlos auf Passanten eingestochen“

Aus Videoaufnahmen konnte festgestellt werden, dass er in Grafing seit 1:30 Uhr anwesend war. Gegen ca. 4:45 Uhr hat er „mehr oder weniger planlos“ auf einen Passanten eingestochen, der auf dem Weg zur S-Bahn war, um nach München zu fahren. Er ließ von dem Schwerverletzten ab, ging zum Bahnsteig und attackierte dort eine weitere Person. Danach verletzte er zwei weitere Personen auf dem Bahnhofsvorplatz schwer. Der erste Notruf traf um 4:45 Uhr vom ersten Verletzten ein.

Allahu akbar“  – „Ihr Ungläubige, ihr müsst sterben!

Der Täter befand sich zum Zeitpunkt der Festnahme um 5:07 Uhr noch in unmittelbarer Nähe zum Tatort. Er ließ sich widerstandslos festnehmen. Im Gürtel hatte er das Tatmesser, ein Survivalmesser mit 10 cm Klingenlänge und 3cm Breite. Im Gleisbereich und in der Nähe des Tatorts wurden persönliche Gegenstände gefunden, darunter ein Personalausweis, einen Führerschein die Schuhe und ein Rucksack. Im Rucksack wurden ein Laptop und persönliche Dokumente entdeckt. Daraus konnte die Personalie festgestellt werden. Auf die Frage warum er barfuß gewesen sei hatte er ausgesagt, dass er an seinen Füßen Wanzen entdeckt habe und die Füße überhitzt waren. Bei einer Untersuchung wurden Blasen an seinen Füßen festgestellt.

Der Ausruf während der Tat „Allahu akbar“ wurde von einem Zeugen und dem Täter bestätigt. Auch der Ausspruch: „Ihr Ungläubige, ihr müsst sterben!“ wurde von Zeugen bestätigt.

Das LKA hat die Ermittlungen in Zusammenarbeit mit dem BKA übernommen

Das Landeskriminalamt ( LKA) ermittelt, wenn der Verdacht besteht, dass ein Terroranschlag zu Grunde liegt.
Es wurde eine SoKo von 80 Beamten gebildet. Der Täter ist 27 Jahre alt, Deutsch, ohne Migrationshintergrund und ledig. Er kommt aus Hessen und hat seinen Wohnsitz im Raum Gießen. Er bezieht seit 2 Jahren Sozialhilfe und hatte zuvor eine Arbeit als Tischler.

Bisher keine Hinweise auf Nähe zu Terrorzellen entdeckt

Nach bisherigen Ermittlungen handelt es sich um einen Einzeltäter. Es gibt keine Hinweise, dass der Beschuldigte Teil eines islamistischen Netzwerkes sei. Es liegen keine polizeilichen Erkenntnisse aus dem Staatsschutzbereich vor, in Bayern ist er gänzlich unbekannt. Aus den Nachrichtendiensten liegen ebenfalls keine Hinweise auf eine Radikalisierung oder Bezüge zu radikalen Gruppen vor. Auch auf seiner facebookseite wurden keine Anhaltspunkte gefunden, die im Zusammenhang mit der Tat stehen könnten.

Weiterer Überprüfungen sind notwendig

Diese Informationen bedürfen noch weiterer Überprüfung. Es gäbe auch keine „schlüssige, plausible Erklärung“ warum die Person nach München oder Grafingen gekommen ist. „Die Person hat auf uns in der Vernehmung einen wirren Eindruck gemacht.“ Es sei schwierig gewesen zusammenhängende Auskünfte von dem Täter zu erhalten. Es gab nur wenige Zeugen, die Vernehmungen laufen noch.

Zwei Tage zuvor wurde der Täter schon einmal polizeilich auffällig

Am vergangenen Sonntag ist nach Informationen des Gießener Anzeigers von der Familie des 27-Jährigen die Polizei gerufen worden. Es soll zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung gekommen sein. Die Beamten kam zu der Überzeugung, dass weder eine Fremd- noch eine Eigengefährdung vorliegt, und hatten ihm geraten sich einer ärztlichen Behandlung zu unterziehen. Dem sei er nachgekommen und war bis Montagmorgen in der Vitos Klinik in Gießen geblieben. Danach fuhr er nach bisherigen Erkenntnissen nach Hause, packte seine Sachen und brach in Richtung München auf.

Staatsanwaltschaft klagt wegen Mordes an

Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet auf Mord und dreifachem Mordversuch. Morgen soll der 27-jährige dem Haftrichter vorgeführt werden. Es wird entscheiden, ob der Täter schuldzurechnungsfähig ist, oder in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt untergebracht wird.

update 12.Mai 2016: Der Beschuldigte wurde vom Haftrichter als vermindert Schuldfähig beurteilt. Es erfolgte die Einweisung in eine geschlossene psychiatrische Klinik.

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